ProRipper - Rezidivierende Psychosen VI

Nach "Vernissage", seinem zweitem Soloalbum, liefert ProRipper nun neuen, stellenweise auch altbekannten Output in Form seiner "Rezidivierende Psychosen VI" Sammelsurium Reihe.

Diese umfasst alle Tracks, die in den vergangenen Wochen & Monaten über externe Platformen erschienen sind, anders gesagt Exclusive Tracks, sowie die erschienenen Freetracks.

Alle Songs sind aktuell nur auf YouTube & Co vorzufinden, im Zuge des "RP VI" Releases bekommt Ihr die Songs als hochwertige MP3-Dateien (320 kbps).

 

Insgesamt wartet das Release mit 22 Anspielstationen auf, darunter Featuretracks mit DoktR, CrAzy, JanniX, FALK, Jim Caroll und Chris Dolmeth.

Im wahrsten Sinne des Wortes wird der Hörer "nicht vom Leben, doch vom Ripper gezeichnet".

In gewohnter Manier präsentiert sich der Protagonist wortgewandt, technisch versiert und hat dabei die ein oder andere schaurig-schöne Line parat.

Besonders die komplett neuen Tracks (Kavaliersdelikt, Lost in Paradise feat. JanniX, Heimspiel, Stempel feat. FALK, Schlafstörungen feat. Jim Caroll, Stumme Schreie feat. DoktR, Hass und Wut feat. Chris Dolmeth und Wundervoller Rap) sorgen für neue, einprägsame Momente.

Sei es die Stimme des Erlkönigs in "Schlafstörungen", die bei dem ein oder anderen Hörer das Lied "Mein Herz brennt" von Rammstein in Erinnerung rufen dürfte.

Diese Stelle findet sich in dem Refrain des Stückes und unterscheidet sich, abweichend vom Original, durch eine stark runtergepitchte Stimme.

Dadurch fügt sich "Nun liebe Kinder, gebt fein Acht. Ich bin die Stimme aus dem Kissen", nahtlos an den Rest des Tracks an und verleiht ihm einen ripperschen Touch.

Des Weiteren dürften Fachkundige der Pädagogik, Neurologie oder auch Psychologie bei den Anspielungen auf Sigmund Freuds Psychoanalyse gespannt aufhorchen.

"Zerfick' die Membranen, denn meine Libido ist mikrophil" oder "Doch alles was in mir abstirbt, ist ganz allein mein Über-Ich/ Keine moralischen Instanzen, die mich dirigieren/ Wenn es mir an etwas mangelt, dann an Nächstenliebe".

(Ersteres Zitat entstammt dem Intro, zweiteres aus "Wundenvoller Rap")

Altbekannt, aber lyrisch und soundtechnisch mehr als überragend sind vor allem "Ménage-à trois", "Roter Atlantik"  und "Rufmord".

Verwiesen sei exemplarisch auf einige Zeilen aus dem zweiten Track:

"Wenn meine Psychosen drücken, aktiviern sie Alghorithmen/
Die den Modus switchen in: musikalisch kalter Hitman/
Ich lade die Stimme und komponiere Notenstücke/
Kombiniert mit Vocalpitches resultieren Todeshymnen/ (...)

Meine Aura triggert Deinen seelischen Defekt/
Im genetischen Geäst eines jedweden Geschlechts/
Und mit jeder Line steigern sich die Intensivitäten/ Meiner Stimmlippen und Kehle auf Dein Hirnrindengewebe/ Bis zum Limit zwischen Leben und Tod – und wenn Du Karaoke-/ -Mäßig alle Strophen mitrappst, beginnt die Apoptose"

 

Mag der ein oder andere mit dem Sound nicht immer warm werden, lyrisch erwartet Euch über jedes Maß hinaus ganz ganz großes Kino!

Klar, es gibt viele textlich starke, leider noch nicht hinreichend wertgeschätzte Künstler, sei es ein Prezident oder jahrelang ein Cr7z.

Doch gerade in Bezug auf die Outputfrequenz eines ProRippers im Verhältnis zu anderen Künstlern lässt sich positiv anmerken, dass immer und immer wieder neue, bis dato in seiner Musik noch nicht aufgetauchte Facetten, bemerkbar werden und trotz der Vielzahl an Freetracks, Exclusivetracks oder sonstigen Erscheinungen, keine Redundanz feststellbar ist.

Hat der Ripper in unserem Interview zwar resümiert haben, dass die eingeschlagene Schiene bewusst gewählt wurde, so sei an dieser Stelle trotzdem zu mehr Offenheit gegenüber seiner Musik geraten!

 

Die einzelnen Tracks werden, wie vom Künstler gewohnt, häufig mit Passagen aus Serien wie Dexter, Hannibal, Bates Motel oder anderen bekannten Serien / Filmen eingeleitet.

Durch diese Einführungen wird der Hörer zum einen an das Thema des Songs herangeführt und zum anderen eine schöne Verknüpfung zu den eigenen Lieblingsserien geschlagen.

Wer Näheres über die Lieblingsserien, Spiele oder Filme des Rippers erfahren möchte, sollte das oben bereits erwähnte Interview einmal abchecken.

Ein Track, der mir auch gut gefällt, ist das Intro. Schade nur, dass es kaum länger als eineinhalb Minuten dauert, denn unter "blutrot schimmernder Strobobellichtung" läuft der Ripper zur Höchstform auf und der Hörer wird Zeuge seiner psychischen Attacken. In diesem, sich langsam dem Ende neigenden Hip-Hop Jahre, definitiv eine meiner liebsten Präludien!

Was die Featuretracks angeht, lässt sich festhalten, auch die Gäste überzeugen mit anspruchsvollem Rap, genauer gesagt, schönem Flow und Lines. Allen voran die Kooperation mit Falk, der den Ripper aus dem diesjährigen VBT kickte.

Die beiden lassen für einen Moment Kunst einfach Kunst sein, sprich, sie betonen, dass das "Alphabet mehr als 24 Buchstaben" hat.

Natürlich äußern sie damit ihre Missgunst gegenüber der Kategorisierung der Rapper durch ihre Fans. Das künstlerische Dasein wird hierbei nicht nur massiv eingeschränkt, sondern auch unnötig reduziert.

Ebenfalls einen bleibenden Eindruck hat der mir bis dato nicht bekannte Chris Dolmeth hinterlassen. Anfangs etwas ungewöhnlich, mit der Zeit einfach genial! Seine Mischung aus Rap und düsterem Gesang macht ihn definitiv zu einem interessanten Künstler.

"Zwei Gestörte außer sich", so tituliert Chris Dolmeth sich und "das Sprachrohr des Teufels".

Ein großes Lob gilt zudem Suizidalmusik Producer und Rapper DoktR. Er unterlegt nicht nur musikalisch einige der Songs (sechs an der Zahl), sondern ist auch mit zwei Gastparts auf "RP VI" vertreten.

Fans werden ihn ohnehin auf dem Schirm haben, allen anderen sei an dieser Stelle seine EP "Majora's Mask" empfohlen, welche Ihr Euch gratis unter www.suizialmusik.de herunterladen könnt.

"Ich bin Dein literarischer Angstgegner/
Und zerstöre auch auf den trivialesten Taktschlägen/
Und was andere vom Blatt ablesen/
Schiebt mein Virenscanner wegen immenser Wackness in Quarantäne/
Sieh mich an als absolutes Novum/
Ich lass' Köpfe platzen unter krassem Lungenhochdruck/
Und wenn Deine Schädelwand zerknackt/
Krieg' ich lebenslange Haft wegen der musikalischen Mord- und Tobsucht/"

(Zitat aus dem Track Rufmord)

 

Für mich gibt es nichts an "Rezidivierende Psychosen VI" zu rütteln.

ProRipper überzeugt einmal mehr auf ganzer Linie und liefert ein denkwürdiges Release ab, welches passenderweise zum Titel und zu seinem Image an Halloween erscheint.

Uneingeschränkte Kauf- und Hörempfehlung!

 

Unsere Review zu "Vernissage".

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Lukas Rauer