Greckoe - Kiss

Vier Jahre ist es her, dass Greckoe letztmals mit einem Album auf sich aufmerksam machen konnte.

Damals (2011) präsentierte One Million Berlin "Scheinwelt", das neueste Werk "Kiss" erscheint allerdings über Greckoes Labelheimat Aus dem Nichts Entertainment.

Nach eigener Aussage hat er auf der neuen Platte seinen musikalischen Traum ausgelebt und das Album kreiert, das er schon immer machen wollte.

Doch wie musikalisch ist "Kiss"? Wen spricht er mit der Platte an? Und was erwartet Euch überhaupt?

 

Gleich zu Anfang kann ich die langjährigen Fans beruhigen.

Klar, der Sound hebt sich von früheren Releases ab, aber das Album verfolgt stringent einen roten Faden, behandelt die unterschiedlichsten Themen mit Hinblick auf die Frauenwelt, ohne dabei aufgesetzt oder Mainstream zu wirken und wartet mit viel Liebe zum Detail auf.

Klangtechnisch wird dem Hörer ein buntes und vor allem, ein großes Spektrum geboten.

Ob nachdenkliche sowie ernste (DHTPHTG; Rosarote Brille) oder humorige und mit einem Zwinkern versehene (Ghetto Cinderella) Tracks, ist für jeden etwas dabei.

Aber auch Fans des "härteren", beziehungsweise des "Fifty Shades of Greckoe" kommen durch "Girls Kissin' Girls" auf ihre Kosten.

Auf dem letztgenannten Track tummeln sich neben dem Protagonisten, Labeloberhaupt Azyl und Flowmaschine Thaizzier (muss sich endlich mit einem Album zurückmelden!).

An dieser Stelle sei Euch geraten in die bisherigen Releases der beiden Gäste reinzuhören, hierfür checkt Ihr am besten einmal die Labelseite ab.

"Herzlichen willkommen in meinem Hühnerstall. Dickah, sie verfallen meinem griechischen Verführerstyle!"

 

Mit "Nur Du", "Lass mich gehen" featuring Fraygeist und "Ghetto Cinderella" wurden drei, der insgesamt fünfzehn Songs ausgekoppelt und visualisiert.

Sie vermitteln einen guten Eindruck des Albums, können dieses aber natürlich nicht in aller Fülle widerspiegeln, denn dazu erwartet den Hörer auf dem Werk zuviel.

Ihr solltet Euch allerdings trotzdem durch die Videos klicken und davon überzeugen, dass Greckoe der Spagat zwischen Rap und Gesang über jedes Maß hinaus gelungen ist.

Die größte Stärke des Albums ist es, wie oben bereits erwähnt, die verschiedensten Gefühlslagen einzufangen.

 

"Ghetto Cinderella" ist einer der witzigsten Songs der Szene, seit gefühlt einigen Monaten.

Wie man den Song gut zusammenfassen könnte? Schön und gefährlich!

Eine Frau die Teller wirft? Den Bus mit einem Edding vollschmiert? Oder unserem Protagonisten eine Waffe an die Schläfe hält, um einen Track geschrieben zu bekommen?

Diese und viele weitere, nicht minder abstruse Themen werden in dem Track abgearbeitet.

Dabei bezieht sich Greckoe das ein oder andere Mal auf den Originalfilm.

Siehe folgende Lines:

"Fehlt ihr Schuh, dann nicht, weil sie gern Fuß zeigt, sondern weil sie einfach gerne mal mit Schuhen schmeißt."

oder

"Denn sie will beef, genau wie ihre Stiefmutter - All Black everything."

Besagte Liebe zum Detail kann man ihm definitiv nicht absprechen.

 

Frauen für eine Nacht? Gab' es genug.

Zusammen mit Machtrap Künstler Toon, komponiert Greckoe eine Hymne gegen One Night Stands ("Nicht nur diese Nacht").

"Weder Raum noch Zeit" spielen eine Rolle, Hauptsache "Schick ausführen" und gemeinsame Erinnerungen gestalten, ganz gleich was andere davon halten.

Das Konzept des Songs funktioniert besonders gut, da der Featuregast sehr musikalisch zu Werke geht und sich somit nahtlos in das Gesamtbild fügt.

Neben seinem Part, überzeugt der Gast im Zusammenspiel mit Greckoe, auch mit einer eingängigen Hook.

 

Für Männer die manchmal Probleme haben ihre Herzdame oder generell Frauen zu verstehen, gibt es den Track "WSS ≠ WSM".

Auch wenn sie sich kryptisch ausdrücken, uns vorwerfen einfach gestrikt zu sein oder unseren Kopf zum Rauchen bringen, resümiert Greckoe folgendes:

Ein Leben ohne sie ist "Sinnlos" !

Der ein oder andere wird sich wahrscheinlich in den beschriebenen Situationen wiederfinden und daher spielend leicht mit dem Interpreten identifizieren können.

Ich bin vor allem von den Lines und den plakativen Beispielen des Tracks überzeugt:

"Und sie sagt: Warum hat es mit der Ex nicht geklappt?!"

"Doch sie meint: Los, sag mir, was für Schwächen Du hast!"

Gerade Tracks der Marke Beziehung, Liebe und/oder Frauen können leicht etwas aufgesetzt oder zwanghaft wirken, daher auch an dieser Stelle noch mal ein großes Lob dafür, dass es gelungen ist ein Album zu kreieren, welches zu keinem Zeitpunkt selbst wiederholend sowie aufgesetzt wirkt!

 

Der in meinen Augen stärkste Song ist "DHTPHTG", ausgeschrieben "Don't hate the play, hate the game" (Anm. hierbei handelt es sich um ein englisches Sprichwort. Falls Ihr es nicht kennen solltet, hier einmal exemplarisch zwei Erklärungen: Eins. Zwei.)

In meinen Augen hat der Anspieler die stärkste Hook, einen unfassbar berührenden Beat und eine klasse Idee.

Zwischen den Zeilen wechselt Greckoe aus der eigenen Perspektive in die Rolle der Hater seiner Musik und seines Charakters.

Die Message ist dabei simpel, wie hervorragend transportiert:

"Hater haten halt, aus Prinzip schon", also getrost sein eigenes Ding durchziehen und sich nicht davon abbringen lassen.

Spieler spielen nur unfair, weil das System oder der übergeordnete Gedanke, nicht richtig funktioniert.

 

Ich muss zugeben, dass ich im Vorfeld nicht sicher war, ob der rote Faden ein ganzes Album tragen kann, aber wow! - ich wurde eines Besseren belehrt und bin auch nach mehrmaligem Hören angetan von "Kiss".

Die Ausgangsfrage, wem es gefallen wird/ könnte, möchte ich wie folgt beantworten:

Wer keine Probleme hat sich mit den oben aufgeführten Themen und Problematiken auseinanderzusetzen, kann bedenkenlos zugreifen!

Wem der Stoff und die vermeintlich darauf bezogenen Klischees nicht zusagen, könnte enttäuscht werden, sollte dem Album allerdings auf Grund des musikalischen Arrangements eine Chance geben.

Im Zuge der Prämisse, dass es sich hierbei um sein immer gewolltes Album handelt, erscheint die abschließende Frage berechtigt, wie er das Werk noch toppen möchte?!

In jedem Fall gilt, bitte nicht wieder eine vierjährige Auszeit nehmen! ;)

 

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Greckoes Facebook Page.

Die Website von "Aus dem Nichts Entertainment".

 

Lukas Rauer