Gossenboss mit Zett - D.u.E.I.

Der selbsternannte schlechteste Rapper Deutschlands, kommt aus Dresden und hat ein Einkaufswagenimperium gegründet.

Die Rede ist natürlich von dem Gossenboss mit Zett.

Sein Imperium umfasst fünfzehn Tracks (inklusive Intro und Outro). Klar, dass wir uns das Ganze mal aus der Nähe ansehen.

Der fleißige Raphörer könnte im Jahr 2010 das erste Mal auf das Zett aufmerksam geworden sein, denn dort releaste er das Album "Mehrwegmusik".

Einen Eindruck hiervon könnt Ihr durch folgendes Video gewinnen.

Auf dem Weg zum eigenen Imperium lief er 2013 mit seinem zweiten Album ins "Nichtsz", doch kurz vor dem Release seines dritten Werkes lief die erfolgreiche "Einkaufswagen TV" Serie an (sie umfasst mittlerweile 7 Folgen), welche ihm dazu verhalf den Weg zum eigenen Imperium zurückzufinden.

 

Das "Einkaufswagen Imperium" beginnt mit einem atmosphärischen Intro. Den Beat dieses Stückes dürftet Ihr übrigens durch die Anfangs- und Schlussszenen der im Vorfeld veröffentlichten Auskopplungen sowie Einkaufswagen TV Folgen kennen.

Etwas über zwei Minuten wird dem Hörer, durch ständiges Wiederholen der drei magischen Wörter, der Titel des Albums eingebrannt, ehe mit "Und jetzt" einer der stärksten Tracks den Weg in Euren Gehörgang findet.

Ob tägliches Trinken, Stress mit Sybille (Anm. Anspielung auf den Youtuber Benlaxer), Bodenkampf mit Mike (Anm. vermutlich der Mike der 257ers) oder bei den Fans nach einer Tüte schnorren, verbreitet der Gossenboss seine Ansichten, gibt einen Eindruck in das Leben eines hochrangingen Imperiumführers und lässt sich zudem zu einem kleinen Seitenhieb gegen Ersguterjunge hinreißen.

"Erstdummerjunge bekommt anerkennend Beifall."

Besonders hervorheben möchte ich an diesem Track den Beat sowie den Flow auf eben diesem.

"Da guckste wie de guckst"

Ihr wollt Euch selbst eine Meinung bilden? Dann checkt das Splitvideo zu "Und jetzt / Miami Pieschen".

Der darauf folgende Track, ist der namensgebende und vermittelt die Vorzüge eines Einkaufswagens.

Wozu ein Auto, wenn der Wagen sagenumwobene 180 Sachen drauf hat?

Gerade die Hommage an MoTrips "Was mein Auto angeht" vor den Refrains ist überragend und strotzt vor Humor.

"Ich wurde einfach über Nacht zur Einkaufswagenübermacht"

Fazit: Alle anderen schieben Optik, der Gossenboss den Wagen.

 

Was er alles aus seinem Leben machen könnte und was ihn von einem Normalbürger unterscheidet, behandelt er in "Hätte, wäre, wenn".

Die Keine-Fick Attitüde wurde seit langem in keinem Release so gut umgesetzt.

Vergleiche zu Karate Andi sind definitiv berechtigt, positiv versteht sich.

Zwischen den Zeilen äußert der Künstler zudem Kritik an der heutigen Gesellschaft, der Hip-Hop Szene und vielen anderen Dingen.

Autotune? Werden wir auch in Zukunft beim Boss nicht finden.

Ausrasten auf Grund des Fernsehprogrammes (Dschungelcamp), berührende Themen aufgreifen oder von bunten Wiesen rappen? Nicht mit dem Zett.

Übrigens Features sucht man auf dem Album vergeblich, der Protagonist erschafft auf den 15 Anspielstationen lieber eigenständig ein Kunstwerk. Getrost dem Motto: zu viele Köche verderben den Brei.

Langweille kommt während der ca. 45 Minuten Spielzeit nicht auf. Der Unterhaltungsfaktor ist durchgängig hoch - die enormen Beatvariationen und cleveren Lines tragen maßgeblich dazu bei.

"Mach Dir keine Sorgen, mich hat nur die Muse geküsst"

(Outro)

Highlights sind definitiv die Tracks "Elfenbeinturm", "So La La" und "Rap Musik".

Über Strophen, Beat bis hin zum Refrain stimmt einfach alles.

In "So La La" erzählt der Gossenboss von seiner Weise jeden Tag aufs Neue einfach sein Leben zu leben und wirft gleichzeitig die Frage auf, "Was soll nur aus mir werden, wenn ich nicht dieser Versager bleib?!"

Das anschließende "Rap Musik" thematisiert, wie der Name unschwer erahnen lässt, die heutige Rap Musik.

In diesem Zusammenhang bezieht sich der Einkaufswagenimperium Führer auf in der Kritik stehende Punkte der Szene, beispielsweise das Abgeben von Statements oder das Vorgaukeln von Freundschaften vor der Kamera, während hinter ihr eigentlich Feindseligkeit herrscht.

Rap wird immer musikalischer, dem muss natürlich vorgebeugt werden und so versteht es sich quasi von selbst, dass es keinen Neid vom Boss gibt und er strikt das Rapgenre von der Musik trennt.

Ebenfalls werden den limitierten Boxen anderer Künstler einige Zeilen gewidmet, genauer gesagt, dem Inhalt der Boxen.

"T-Shirt, Feuerzeug, Poster und so und der Schlüsselanhänger in der Special-Edition, ist für Deinen Rap noch lange kein Kaufargument."

Ein Schmunzeln konnte ich mir übrigens auch bei folgender Line nicht verkneifen:

"Kindergarten-Cypher und alle stehen im Kreis. Doch das geht vor'n Baum, wie ein Blinder im Wald."

 

Was ist zu halten von der Aussage, dass hier das schlechteste Album des Jahres präsentiert wurde?

Dem können wir so nicht zustimmen, denn tatsächlich ist "Das unantastbare Einkaufswagenimperium" eines der erfrischensten Releases der vergangenen Monate.

Wie bereits oben angeklungen, erinnernt der Künstler in Punkto Behebigkeit und Wortspielen stark an einen Karate Andi zu seinen "RAM" (Anm. Rap am Mittwoch) Zeiten und repräsentiert hervorragend seine Penner-Attitüde.

Zum einen wird das Album all jenen gefallen, die gerne mal abschalten und auf dem Sofa entspannen oder einen freien Tag nutzen um mit dem Einkaufswagen Drive-bys zu vollführen. Zum anderen aber auch denjenigen, die gerne mal zwischen den Zeilen lesen und bereit sind sich auf etwas Neues einzulassen und nicht jede Intention auf die Nase gebunden bekommen wollen.

Für uns steht fest: Absolute Kaufempfehlung!

 

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Lukas Rauer