Architekt - Hits 2015

"Vieles liegt verborgen, wie die Tiefe im Meer." (Zitat Schlaflied)

So auch dieser Schatz.

Gut einen Monat ist es her, dass Architekt sein Album "Hits 2015" releast hat und Achtung, der Name ist Programm.

12 Tracks erwarten Euch, frei nach dem Motto, Qualität statt Quantität.

Musikalische Vielfalt ist garantiert, ob der Song für die eigene Tochter (Insel), Partyhymne (Partyalarm) oder Punchline-Gewitter mit dem Wittener Lakmann (Verwahrloste Lines), alles ist dabei. Deepe Anspieler (Verloren) und Representer (Hits) dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Das Schöne an dieser schöpferischen Fülle ist, dass keines der Themen gekünstelt, geschweige denn gespielt wirkt. Man merkt dem Bielefelder einfach seine Liebe zum Rap und zur Musik an.

Wenn Ihr Euch selbst von der Themenbreite ein Bild machen wollt, könnt Ihr Euch Videos zu den Tracks "Hits", "Hurricane", "Insel", "Partyalarm", "Verwahrloste Lines", "UA" und "Schlaflied" anschauen, eine beeindruckende Menge.

Natürlich liesse sich einwenden, in Anbetracht einer Gesamtzahl von 12 Titeln erscheint die Auswahl von 7 Videoempfehlungen reichlich opulent, doch so kann hinterher niemand behaupten, er habe nicht gewusst, was ihn auf dem Album erwartet.

Dass Architekt wählerisch ist soweit es Features angeht, hat er bereits in dem ein oder anderen Interview verraten, mit Lakmann findet sich folgerichtig auch nur ein einzelner Gast für sein Album. Doch gilt hier gleichermaßen das Motto, lieber einen starken Part und somit eine wirkliche Perle erschaffen, als ein von Features überladenes Album.

"Bei meinem neuen Album "Architekt - HITS 2015" habe ich alles genau so gemacht, wie ich es will, so dass ich es von allen Alben auf der Welt am liebsten höre."

(Zitat Architekt)

Ob Name, Beats, Lines oder Cover des Albums, alles wirkt wie aus einem Guss und voller kleiner, aber feiner Alleinstellungsmerkmale. Das obige Zitat spiegelt sich überdies in dem Titel des Albums wider, 12 Hits in den Augen des Künstlers. Weiterhin bedeutet "hits" übersetzt Schläge - Ihr fragt Euch, was das mit Architekt zu tun hat?

Sehr einfach - Architekt boxt in seiner Freizeit und schlägt so einen direkten Bogen zu seinem Hobby (übrigens spielt er in der Hook von "Hure Nutte Fotze Schlampe" auch direkt auf das Boxen an).

Soweit es die Beats angeht, lässt sich postulieren, dass jeder einzelne sehr individuell klingt, vor allem "Hits", "Verloren", "UA" und "Schlaflied" haben es mir angetan. Die jeweilige Erzählintention wird eindrucksvoll untermalt und so trägt eben auch der Sound seinen Teil dazu bei, dass dieses Release mehr als rund erscheint.

"Wenn ich kein Fuß in die Tür kriege, trete ich sie ein!"

(Zitat Steinbeißer)

Im Hinblick auf Texte und Lines lässt sich festhalten, dass dem sympathischen Bielefelder der Spagat zwischen den eher persönlichen, nachdenklichen und seinen übrigen Anspielern überaus gut gelingt.

Gerade der Song für seine Tochter dürfte vielen ein Grinsen ins Gesicht zaubern. Als Melange aus kindlichem Humor und innerer Gefühlswelt eines Vaters, vermittelt der Song die Botschaft, dass sich auf Mutter und Vater zählen lässt. Abgerundet wird das Ganze von einer poppigen Hook.

"Hurricane" gefällt durch einen rockigen Beat und macht textlich klar, dass Architekt in das Game platzt und ihn Konkurrenz nicht aufhält.

"Und wenn Du Architekt nicht magst, denkt er sich was aus, wie ein Fettsack der ne' Hetzjagd plant. Architekt hat die Ketten scharf, da kommt das Wetter nach was er in seinen Sätzen sagt.."

Einerseits ist der Song deutlich rougher als viele der anderen Tracks, gleichzeitig ist alles mit einem Augenzwinkern versehen, soll heissen, der Humor kommt auch hier nicht zu kurz. Dazu gilt es zu vermerken, dass es sich hier auch nicht um ein MC Zuhälter Release handelt (Alterego von Architekt, bekannt für Battletracks, Disses und härteren Sound).

Zwischen fröhlichen, poppigen oder auch roughen und wortgewandten Liedern, gibt es auch noch "Johnson", "Verloren" und "Schlaflied", die die emotionale und nachdenkliche Ebene transportieren.

Kurze Spielzeit hin oder her, die knappe halbe Stunde ist jedenfalls gut investiert.

Mag der ein oder andere möglicherweise etwas brauchen, um mit dem Album warm zu werden, ist dies allerdings erst einmal der Fall, lassen sich immer mehr kleine Details entdecken, die womöglich zuvor gar nicht aufgefallen sind und bezeugen wie viel Zeit und Liebe in dieses Album investiert wurde.