Musa

Im Rahmen unserer Nachgefragt-Reihe freuen wir uns, dass sich Musa die Zeit genommen hat, uns Rede & Antwort zu stehen.

Für diejenigen, die Dich noch nicht kennen, wie würdest Du Deinen Stil selbst beschreiben und was bedeutet Rap für Dich? Und wo möchtest Du stilistisch in Zukunft stehen?

Musa: Berliner Negritude (BLN NGRTD). Unkonventioneller Rap, mit Akzenten politisierter Motivation, aus der Perspektive eines in Berlin geborenen und größtenteils aufgewachsenen West Afrikaners (Sierra Leone). Allerdings möchte ich mehr als nur meine Rassismuserfahrungen in Deutschland aufarbeiten.

Hast Du musikalische Vorbilder? Gibt es Rapper, die Du besonders feierst?

Musa: Hinsichtlich der Message mag ich afrikanische Musik und karibischen Reggae, authentische Musik, die sich mit historischen und kulturellen Inhalten beschäftigt. Natürlich bin ich auch ein großer Hip Hop Fan, seit den 90ern bis heute. Ein Querschnitt von dem was ich feier, wäre bspw. Jay-Z, Eminem, Styles P, Papoose, T.I., Lil Wayne, Pusha T, Booba, Kendrick Lamaar, Rick Ross, Future. Ansonsten aber auch viel Afrobeat/Afropop.

Du hast dieses Jahr bereits mit zwei Featureparts auf Megalohs neuem Album „Regenmacher“ auf Dich aufmerksam gemacht. Hört man sich die Tracks an, fällt es schwer zu glauben, dass Du bisher noch nichts veröffentlicht hast. Woran lags?

Musa: Teilweise hat es damit zu tun, dass ich es aufgrund meiner persönlichen Situation (Familiendruck, Studium, Finanzen etc.) lange schwierig fand mich ausgiebiger mit dem Musikmachen zu beschäftigen. Dann wiederum war meine Motivation auch nie einfach nur zu rappen, weil ich es kann. Ich denke, letztendlich hat und wird es sich so ergeben, wie es sein muss.

Mit der Frage hast Du sicherlich gerechnet, - erzähl uns bitte, woher Du Megaloh kennst und wie Ihr musikalisch zusammengefunden habt?

Musa: Ich kenne Megaloh seit ca. 2001. Zu dieser Zeit habe ich grade mit dem Freestylen angefangen. So habe ich ihn dann auch bei einem gemeinsamen Freund in Moabit kennengelernt. Von da an haben wir uns dann auch regelmäßig zu Freestyle-Sessions etc. getroffen. Auch so hatten wir gemeinsame Freunde, überwiegend aus Moabit, und waren früher oft zusammen unterwegs oder feiern. Einer der bedeutendsten gemeinsamen Freunde ist Ghanaian Stallion. Ihn habe ich 2006 kennengelernt, als er wieder nach Berlin gezogen ist.

Du hast Wurzeln in Sierra Leone. Inwiefern schlägt sich Deine Herkunft / die Herkunft Deiner Eltern in Deiner Musik nieder?

Musa: Der 11-jährige Bürgerkrieg, die staatliche Fragilität, die politische und wirtschaftliche Situation des Landes sowie aktuellere Krisen, wie die Ebola Epidemie sind Realitäten, die mich in meinem Leben immer beschäftigt haben und die ich durch die Musik verarbeite. Dadurch, dass meine Familie davon unmittelbar betroffen war und ist, hat es natürlich auch immer starke Auswirkungen auf meine Leben gehabt.

In dem Song „Wohin“ beschreibst Du, dass Deine Eltern aus Sierra Leone geflohen sind („Danach war im Vaterland Krieg, damals war ’n harter Abschied“). Weiterhin äusserst Du, dass Du noch nicht so richtig weißt, wohin Du gehörst. Woran liegt das? Gab es eine Entwicklung über die letzten Jahre hinweg, die Dir ein Gefühl der Zugehörigkeit erschwert hat?

Musa: Als ich 12 Jahre alt war, wurde ich mit meiner Familie ausgewiesen. Nach einem einjährigen Aufenthalt in den USA, sind wir dann nach Sierra Leone gezogen. Da gab es dann aber einen Militärputsch und ich bin nach einem Jahr mit meiner Mutter und meinen zwei Geschwistern geflohen und zurück nach Deutschland gekommen. Dementsprechend sind es Referenzen, die sich eher auf mich beziehen. Die Äußerung „ich weiß nicht so wirklich wohin ich gehöre“, bezieht sich im allgemeinen auf den Umstand mit institutionellen und strukturellen Rassismus und Ablehnung in dem Land konfrontiert zu sein, indem ich eigentlich geboren und aufgewachsen bin.

Auf dem selben Song rappst Du: „Pflege Traditionen, aber ich bete, weil ich lebe meine Leben babylonisch“. Was für Traditionen pflegst Du denn explizit und wie führt man sein Leben babylonisch?

Musa: Es geht hierbei für mich um traditionelle, soziale und religiöse Aspekte von Lebensweisen, die ich in Sierra Leone wertschätze, die ich aber in Deutschland so nicht verfolge. Des weiteren fördere ich mit meiner aktiven Teilnahme am kapitalistischen System der Industriestaaten womöglich mittelbar sozialwirtschaftliche Missstände sogenannter Entwicklungsländer wie Sierra Leone. Ein gewisses Dilemma.

„Brennende Bengalos“ (auf „Oyoyo“), „Aber sie manipulieren die Revolution“ (Auf „Wohin“). Vielleicht liege ich falsch, aber Deine Featureparts vermitteln den Eindruck einer kritischen Haltung gegenüber der herrschenden Politik?

Musa: Definitiv. Aber ich möchte darauf momentan noch nicht näher eingehen.

Sierra Leone ist vielen aufgrund des Bürgerkrieges von 1991 bis 2002, der herrschenden Armut und der 2014 ausgebrochenen Ebola-Epidemie ein Begriff. Setzt man sich etwas intensiver mit dem Land auseinander, fällt vor allem eine sehr lebhafte Kultur auf. Gibt es etwas, dass Du besonders an der Kultur und den Menschen dort schätzt?

Musa: Das Essen, das Feiern und Tanzen, die Lebendigkeit und Lebensfreude, die Kreativität und das Potenzial, die Musik, die Liebe zum Fußball, die geografische Lage und die Natur etc.

Nun lebst Du bereits einige Zeit in Deutschland. Gibt es umgekehrt auch etwas an der Deutschen Kultur, dass Dir besonders gefällt, oder dass Du mittlerweile verinnerlicht hast?

Musa: Eigentlich habe ich immer Liebe für Deutschland gehabt und mich als Kind auch viel mit Deutschen identifiziert. Ich denke, ich mag die deutsche Verlässlichkeit, Ordnung. Teilweise auch den Humor, deutsche Musik und Sprache. Ich habe viele gute deutsche Freunde und auch Familienmitglieder, die ich sehr schätze.

Was wird man in Zukunft von Dir hören können? Gibt es Planungen für ein eigenes Release?

Musa: Ich arbeite mit Ghanaian Stallion und Megaloh momentan an der Fertigstellung eines Kollabo Projektes, das hoffentlich Ende dieses Jahres oder Anfang 2017 released wird. Ansonsten bin ich dieses Jahr noch auf einer EP von Ghanaian Stallion und Chima Ede vertreten sowie mit mehreren Features auf dem Produzenten Album von Ghanaian Stallion. Ansonsten plane ich für 2017 eine EP.

 

Um Dich besser kennen zu lernen, haben wir ein paar Sätze zum Vollenden vorbereitet:

Meine Leibspeise ist...

...frittierte Kochbananen, Stew und Cassava Leaf

...und schmeckt am besten von....

...von Tanten.

Mein Lieblingsgetränk ist...

...Malzbier (Maltina)

Ein Track, der mich meine Kindheit über begleitet hat, war....

...Bucket Head - The Bomb

Als Promi wäre ich gerne...

...Shawn Corey Carter

weil...

...lebende Legende

Aktuell höre ich....

...Future und Wizkhid

Der schönste Ort in Berlin ist....

...Moabit.

weil...

...relativ ruhig und zentral.

Abseits der Musik treibe/ mache/ beschäftige ich...

...studieren, NGO (http://www.schule-fuer-afrika.de/), Fussball

Danke für Deine Zeit & Deine Antworten!